MYRJAM GHETTOKIND – BRUNDIBAR
Schauspiel und Kinderoper

  • Premiere: 18. August 2011, 19:00 Uhr
  • Ort: Fort Konstantin


Myrjam – GHETTOKIND
ein Stück von Ernst Heimes,
eingebettet ist die Kinderoper „Brundibar“ von von Hans Krása (Komponist)
und Adolf Hoffmeister (Libretto)

Im Konzentrationslager Theresienstadt, welches die Nationalsozialisten als Vorzeigelager darstellten, waren in einem sogenannten Mädchenhaus junge Jüdinnen interniert, die unter unwürdigsten Bedingungen dort leben mussten. Zum Nachweis eines humanen und humanistischen Lagerlebens waren ihnen gewisse Freizeitaktivitäten, wie gemeinsames Singen, Musizieren und Theater spielen auferlegt. So wurde im Jahr 1943 mit diesen Mädchen die Kinderoper „Brundibar“ des tschechischen Komponisten Hans Krása einstudiert, deren Handlung auf einem böhmischen Märchen beruht. Die Oper wurde in Theresienstadt bei einer Besichtigung des Lagers durch eine Delegation des Internationalen Roten Kreuzes, vor diesem Gremium als Demonstration vorgeführt. Die Delegation war zutiefst beeindruckt. Die Mädchen selbst wurden später alle ins Vernichtungslager Auschwitz abtransportiert, nur wenige überlebten dort.

Vor diesem Hintergrund schrieb der Koblenzer Autor Ernst Heimes eine fiktive Geschichte über die Lebensweise der jungen Frauen im Konzentrationslager Theresienstadt und über die Entstehung der Aufführung der Oper „Brundibar“.
Ernst Heimes recherchierte dafür bei Überlebenden aus dem Lager und in einer Vielzahl von Publikationen zu dieser Thematik.

Eines dieser überlebenden Mädchen, heute über achtzig Jahre alt, hatte vor nicht allzu langer Zeit auf Einladung des deutsch-israelischen Freundeskreises Koblenz – Petah-Tikvah eine Vortrag über ihre Erlebnisse in den Lagern Theresienstadt und Auschwitz gehalten und in diesem Zusammenhang an das Koblenzer Jugendtheater die Frage gestellt, ob es die Kinderoper „Brundibar“ im Rahmen einer umfassenden und noch zu schreibenden Handlung über Theresienstadt als größeres Projekt aufnehmen und aufführen könne.

Das Koblenzer Jugendtheater führt dieses ambitionierte Projekt im Kooperation mit der Musikschule Koblenz und der Sinfonietta Koblenz auf.
Spielort ist das Fort Konstantin, welches in idealer Weise die Atmosphäre der ehemaligen Festung Theresienstadt widerspiegelt.
Regie führt Axel Hinz, der in Koblenz mit seinem eigenen Projekt „Theater im Denkmal“ bekannt wurde. Für die Kostüme zeichnet Ingrid Janssen verantwortlich. Die Kinderoper wird von der Koblenzer Sängerin Jutta Capallo einstudiert. Die musikalische Leitung hat Burkhard-A. Schmitt. Es spielt die Sinfonietta Koblenz in Zusammenarbeit mit der Musikschule Koblenz.


Zur Kinderoper

Brundibar
eine Kinderoper „Brundibar“ von von Hans Krása (Komponist) und Adolf Hoffmeister (Libretto)

Pepíček und Aninka, zwei arme Geschwister, wollen ihre kranke Mutter retten. Der Arzt verschrieb ihr Milch, doch ohne Geld bekommen sie keine vom Milchmann. Sie beobachten den Leierkastenmann Brundibár, der für seine Musik Münzen erhält, und beschließen, es mit ihrem Gesang ebenso zu versuchen. Doch der böse Brundibár vertreibt sie vom Marktplatz. Ratlos wollen sich die Kinder schlafen legen, als ein Spatz, eine Katze und ein Hund auftauchen und ihnen ihre Hilfe anbieten. Zusammen alarmieren sie alle Kinder aus der Nachbarschaft, überwältigen gemeinsam Brundibár und erhalten durch ihren Gesang ihr Geld zurück, welches aber von Brundibár gestohlen wird. Kinder und Tiere jagen Brundibár und können ihn stellen.

Wenngleich der Inhalt der Oper auf den ersten Blick frei von Politik ist, betonen überlebende Mitwirkende aus Theresienstadt immer wieder, dass Brundibár, der fortgejagt wird, für sie Hitler darstellte, den sie so in der Oper durch ihr Zusammenhalten verjagen konnten. Insofern bekommt die Oper bei genauerer Betrachtung eine zweite, tiefere Ebene als die schlichte Geschichte der Kinder, die Milch für ihre Mutter brauchen. Die Lösung des Konflikts der Kinder mit dem Drehorgelmann, allein mit Mitteln der Gewalt, erscheint in einer demokratischen Gesellschaft als pädagogisch zweifelhaft. Sie wird nur verständlich vor dem geschichtlichen Hintergrund von Krieg und Völkermord.